«Nachhaltigkeit ist im Trend – gerade bei den KMU!»

    Die Aargauer KMU-Wirtschaft hat bereits früh die Nachhaltigkeit als Geschäftsfeld erkannt. Dass die Unternehmen diesbezüglich an der Spitze agieren und den Umweltschutz markttauglich umsetzen, beweist Dr. Adrian Schoop, Inhaber der Badener Schoop-Gruppe. Als Unternehmer gibt er Einblick in seine weitsichtige Nachhaltigkeitsstrategie. Als FDP-Politiker im Grossen Rat setzt er auf Transparenz und appelliert bezüglich Energie­krise, alle Hebel in Bewegung zu setzen, zusammenzuspannen und gemeinsam wirtschaftsverträgliche Lösungen auszuarbeiten.

    (Bild: Roman Ernst) Dr. Adrian Schoop auf dem Dach des Werkhofs der Abteilung Gartenbau in Fislisbach: «Unser Ziel ist es, einen möglichst grossen Anteil des eigenen Strombedarfs selbst decken zu können – durch Photovoltaikanlagen.»

    Die Welt ist im Wandel: Pandemiebedingte Lieferengpässe, der Krieg in der Ukraine und der Klimawandel sind grosse Herausforderungen für die Gesellschaft und die Unternehmen. Wie spüren Sie in Ihrem Unternehmen diese Herausforderungen?
    Adrian Schoop: Als Unternehmer lernt man, in jeder Herausforderung auch eine Chance zu sehen. Der Fachkräftemangel führt zum Beispiel dazu, dass die Gesellschaft dem Handwerk endlich wieder den Stellenwert und die Wertschätzung gibt, die es auch effektiv verdient. Dabei konnte die Schoop-Gruppe erfolgreich die eigene Positionierung als attraktiver und flexibler Arbeitgeber schärfen. Zufriedene und motivierte Mitarbeiter werben selbständig neue qualifizierte Mitarbeiter an. Herausfordernd sind ausserdem die knappen Verfügbarkeiten und die langen Wartezeiten beim Material sowie die Verteuerung der Energie und des Treibstoffes. Die steigenden Strompreise führen dazu, dass wir ein internes Energiesparkonzept bis hin zu Beschränkung der Raumtemperatur erarbeiten müssen. Zudem fragen wir uns regelmässig, wie wir die Prozesse in der Produktion noch energieeffizienter gestalten können.

    Der Name Schoop steht für Qualität in den Bereichen Gartenbau, Spenglerei und Flachdach. Als Mitglied der Grünen Branche sowie der Gebäudetechnik prägen Sie die Energiewende mit. Nennen Sie konkrete Beispiele, wo Sie diese Transformation mitgestalten!
    Wir gestalten die Transformation auf zwei Ebenen mit: Einerseits machen wir unsere Kunden auf unsere nachhaltigen Produkte aufmerksam. Andererseits gestalten wir die internen Prozesse des Unternehmens seit Jahren Schritt für Schritt nachhaltiger. So bieten wir im Gartenbau Bio-Produkte an, verwenden folglich auch Bio-Dünge- und Spritzmittel, säen heimische Pflanzen und achten zudem immer mehr auch auf den Schutz der Biodiversität. Auch unsere Dachbegrünungen leisten einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels. Schon seit einiger Zeit bieten wir die Beratung, Planung und Umsetzung von Projekten im Bereich der Solaranlagen an. Wir glauben an die Marktfähigkeit von erneuerbaren Energien, auch ohne eine verstärkte Unterstützung des Staates. Die Schoop-Gruppe verfügt im Bereich des Umweltmanagements über eine Zertifizierung durch die Stiftung Natur & Wirtschaft und wir machen ein Öko-Sponsoring in Kooperation mit der Stadt Baden beim Naturwaldreservat Unterwilderberg. In der Herstellung von Produkten achten wir etwa auf möglichst wenig Verschleiss. Material kaufen wir, wenn immer möglich, regional ein. Papier und Abfall reduzieren wir erfolgreich Jahr für Jahr. Auch aus Nachhaltigkeitsgründen wird unsere Gasheizung noch in diesem Jahr durch Fernwärme ersetzt. Unser Ziel ist es, einen möglichst grossen Anteil des eigenen Strombedarfs selbst decken zu können – durch Photovoltaikanlagen.

    (Bild: Adrian Ehrbar) Die Schoop-Gruppe verfügt über eine Zertifizierung der Stiftung «Natur & Wirtschaft» und führt auf den Arealen eine naturnahe Gestaltung.

    Wenn wir die globalen Auswirkungen des Klimawandels betrachten, stellen wir fest, dass bereits heute in einigen Ländern neue Gefahren durch Stürme, Erdrutsche oder Steinschläge entstehen. Sichere Infrastrukturen sind dabei ein grosses Thema. Welchen Einfluss haben diese Entwicklungen auf Ihr Unternehmen?
    Auch wir müssen mit den erhöhten Umweltrisiken im Rahmen der Risikoplanung arbeiten. Gerade im Bereich des Gartenbaus fliessen zum Beispiel die Konzepte des Hochwasserschutzes in die tägliche Arbeit mit ein. Beim weltweiten Handel mit unseren selber produzierten Bauabdichtungsprodukten haben wir Lösungen, die erdbebensicher sind.

    Wie vernetzen Sie im Unternehmensalltag Digitalisierung und Umwelt?
    Die Digitalisierungswelle der letzten zwei Jahre hat unser Berufsleben grundlegend verändert: Einerseits hat uns Corona dazu gezwungen, die Kommunikationswege zu digitalisieren. Andererseits haben wir in den letzten zwei Jahren eine firmenweite Prozessoptimierung vorgenommen, die wir mittels einer neuen Software umgesetzt haben. Das spart Zeit und Papier. Ausserdem führt die Verlagerung in den virtuellen Raum – Stichwort Homeoffice – zu reduzierten Reisekosten und einer tieferen Umweltbelastung. Auch die Produktionsbereiche profitieren von der Digitalisierungswelle. So können wir vor allem bei der Blechverarbeitung mittels elektronischem Konstruktionsverfahren (CAD) die Ausnutzung des Rohmaterials stark optimieren. Am Schluss steht die Erkenntnis, dass mit der Schonung der Umwelt gleichzeitig auch die Prozesse optimiert und dadurch Kosten eingespart werden können.

    Die Schoop-Gruppe bietet Beratung, Planung und Umsetzung von Projekten im Bereich der Solaranlagen an. Hier ein Solar-Referenzobjekt in Wettingen, ausgeführt durch die Abteilung Spenglerei+Flach.

    Sie sind als FDP-Politiker im Grossen Rat des Kantons Aargau. Wie nachhaltig ist unser Kanton sowie die Aargauer KMU-Wirtschaft unterwegs?
    Die Aargauer KMU-Wirtschaft hat bereits früh die Nachhaltigkeit als Geschäftsfeld erkannt. Die agilen Unternehmen reagieren schnell auf neue Trends und Herausforderungen, dies ist auch im Kanton Aargau nicht anders. Die KMU sind deshalb vorne mit dabei, wenn es darum geht, den Umweltschutz markttauglich umzusetzen und entsprechende Produkte zu bewerben und zu verkaufen. Nachhaltigkeit ist im Trend.

    Was sind Ihrer Meinung nach die nachhaltigsten Errungenschaften des Kantons in den letzten Jahren?
    Nachhaltigkeit umfasst nicht nur die ökologische, sondern auch eine ökonomische und eine soziale Komponente. Der Kanton hat grundsätzlich verstanden, dass zur Einhaltung des Umweltschutzes mehr nötig ist als staatliche Diktate und unsinnige Regulierungswellen. Mit der Senkung der Gewinnsteuer und der bevorstehenden Steuerstrategie wird der Kanton Aargau auch für Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit attraktiver. Damit kann der Kanton Aargau gemeinsam mit den KMU einen wichtigen Beitrag im Sinne der Nachhaltigkeit leisten.

    Die Schoop-Gruppe leistet mit der Dachbegrünungen auf dem Hauptsitz in Baden einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels.

    Es kann nicht mehr wegdiskutiert werden: Die Energiestrategie 2050 ist gescheitert. Wie schlimm sieht es wirklich aus?
    Es sieht nicht gut aus. Dabei wurde der Bevölkerung immer versprochen, dass die Versorgungssicherheit gesichert sei. Bundesrätin Doris Leuthard meinte in der Wintersession 2014: «Unsicherheit gibt es insofern nicht, als man in allen europäischen Staaten in den nächsten zwanzig Jahren eine genügende Stromproduktion haben wird.» Auf die Kernenergie könne die Schweiz verzichten. Auch heute wirkt es so, als hätte der Bundesrat den Ernst der Lage noch nicht ganz verstanden. Sind Stromabschaltungen tatsächlich nötig, so werden zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet und Firmen würden teilweise ins Ausland abwandern. Insbesondere in der Industrie, wo man gewisse Produktionsprozesse nicht einfach so unterbrechen kann, wäre der Schaden verheerend. Die Ära des Schweizer Wohlstandes würde sich wohl dem Ende zuneigen.

    Auf was führen Sie diese Energiekrise zurück?
    Obwohl der Energiebedarf seit Jahrzehnten kontinuierlich wächst und noch wachsen wird, hat es der Bund in den letzten 30 Jahren verpasst, die inländische Stromproduktion hochzufahren. Stattdessen hat man sich auf den Import aus dem Ausland verlassen und will planlos aus der Kernenergie aussteigen, was uns nun teuer zu stehen kommt. Ich verstehe auch heute nicht, wieso man ein Kernkraftwerk vom Netz nehmen konnte, ohne dafür bereits eine alternative und verlässliche Stromquelle zu haben.

    Die Schoop-Gruppe macht ein Öko-Sponsoring in Kooperation mit der Stadt Baden beim Naturwaldreservat Unterwilderberg.

    Wie können wir nun bezüglich dieser Energiekrise Gegensteuer geben?
    Man muss der Bevölkerung endlich reinen Wein einschenken. Transparenz ist das Wichtigste für eine glaubwürdige Politik. Die Stromversorgung kann aktuell nicht mit Windrädern und Solaranlagen gesichert werden. Kurzfristig müssen nun Gaskraftwerke ans Netz, um eine Strommangellage abzuwenden. Langfristig muss die Schweiz die Stromproduktion hochfahren. Neben den erneuerbaren Energien müssen auch wieder neue und klimaneutrale Kernkraftwerke gebaut werden. Überdenken muss der Bund in der gegenwärtigen Notlage auch seine Elektrifizierungskampagnen. Ausserdem müssen die bürokratischen Hürden für den Bau von Klein- und Grosskraftwerken abgebaut werden. Dies gilt auch für das Bauen ausserhalb der Bauzone, um beispielsweise Solaranlagen zu ermöglichen. Nur, wenn wir alle Hebel in Bewegung setzen und vor allem dann, wenn wir alle zusammenspannen und uns nicht gegenseitig durch Einsprachen etc. behindern, können wir die Energiekrise bewältigen.

    Interview: Corinne Remund